WegWorte

Ich bin mit dir / Wegworte 01

Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.
(Deuteronomium 26,5)

Der Herr sprach:
Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst,
und bringe dich zurück in dieses Land.
Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe,
was ich dir versprochen habe.

(Genesis 28,15)


Matej Metlikoviè;
Mein Vater war ein heimatloser Aramäer, Laibach 1996
Das erste von zwölf Bildern des „Biblischen Zyklus“

Das Bild bringt eine grundlegende Spannung im Leben des Menschen zum Ausdruck – das Aufbrechen und Streben nach Neuem sowie die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit.


Mein Vater war ein heimatloser …
Mit diesen Worten beginnt eines der ältesten Glaubensbekenntnisse der Bibel. Es wurde ursprünglich zum Erntedank feierlich rezitiert. Die Familie blickt zufrieden auf einen übervollen Korb mit Früchten. Die Arbeit hat sich gelohnt. Das war nicht immer so. Man schaut zurück auf die Vorfahren.
In vielen Familien erzählt man gerne von Verwandten, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben. Knechte, Mägde und „gewöhnliche Leute“ hingegen werden bald vergessen.
Auch Völker haben sich in ferner Vergangenheit als Familien verstanden. Sie führten sich auf einen Stammvater zurück und erzählten, er habe nahezu Übermenschliches vollbracht, um seinen Nachkommen eine gute Zukunft zu sichern.
Nicht so die Bibel. Die Familiengeschichte des Volkes Israel bietet wenig Heldenhaftes. Sie beginnt mit einem Vorfahren, der wie ein verlorenes Schaf heimatlos umherirrt; von seinen Zeitgenossen höchstens geduldet, sein Leben geprägt von der Suche nach Wasser und Brot.
Die Nachkommen des Heimatlosen haben es offenbar geschafft. Ihr Erntekorb ist prall gefüllt. Mancher gerät bei diesem Anblick wohl in Versuchung, zu sagen: Das ist unsere Erfolgsgeschichte. Wir können stolz auf uns sein.
Ein Rückblick tut manchmal gut. Er zeigt, dass es vielfältige Ursachen für das Wohl oder Elend gibt. Die eigene Leistung ist nur ein Baustein von vielen.
Gott - so die Bibel - schaut vor allem nach jenen, die nichts Großartiges vorweisen können. Er begleitet sie auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Er lässt sie nicht im Stich, wenn sie das Ziel aus ihren Augen verloren haben. Er schaut nach ihnen und sie können sich wieder sehen lassen.

Bibelstelle
Lesen Sie zur Vertiefung Genesis 12,1-5.

Zum Nachdenken
Zum Menschsein gehört manchmal auch die Erfahrung, dass man unbehaust ist.
Blättern Sie in Ihrem Familienalbum!
Hat es auch in Ihrer Familie Situationen gegeben, in denen Sie eine düstere Zukunft erwartet hat?
Was hat Ihnen Mut gegeben?
Wo sehen Sie rückblickend die Spuren Ihres Lebens?



 


















   
   
   

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