WegWorte

Warum? / Wegworte 10

Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
(Markus 15,33-34)



Matej Metlikoviè;
Mein Gott, warum hast du mich verlassen?, Laibach 1996
Das zehnte von zwölf Bildern des "Biblischen Zyklus"

Das Bild vergegenwärtigt die Todesstunde Jesu. Die schwarze Farbe kündet vom herannahenden Tod. Das dunkle Rot bringt das Leid zum Ausdruck. Das fahle Gelb deutet an, dass die Hoffnung schwindet.


Warum gerade ich? Wie konnte Gott so etwas zulassen? Gibt es überhaupt einen Gott? Diese oder ähnliche Fragen quälen viele Menschen, die in ihrem Leben bitteres Leid erfahren. Das Leid stellt unser Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint, auf eine harte Probe.

Auch Jesus von Nazaret war diese Erfahrung nicht fremd. Er zog umher, sprach von Vergebung und vom Kommen Gottes. Seine Botschaft - eine gute Nachricht für alle, die sich vom Leben nicht viel erwarten konnten. Schließlich erleidet er selbst das Los der Bedrängten. Als am Kreuz die Nacht des gewaltsamen Todes über ihn hereinbricht, ein letzter Aufschrei: Wo ist Gott?
Im Schrei des Gekreuzigten verdichtet sich die Erfahrung von vielen, die sich im Leiden nackt und verlassen fühlen. Oft verhallt er ungehört und erstickt das kleine Licht der Hoffnung. Oft ist er das erste und ehrlichste Gebet seit langem. Wer sich selbst nicht mehr helfen kann und merkt, dass auch andere mit ihren Kräften am Ende sind, bäumt sich noch einmal fordernd auf: Wo ist Gott? Hilf mir!

Jede noch so gut gemeinte Antwort von Außenstehenden verfehlt hier ihr Ziel. Wer ist der tragende Grund meines Lebens? Was verleiht meinem Leben trotz seiner Endlichkeit und Zerbrechlichkeit Sinn? Diese grundlegenden Fragen werden in den Tiefen der Seele verhandelt, wo Gott und Mensch miteinander ringen. Wer Gott nicht aus dem Weg geht, darf hoffen, dass er zuletzt Ja sagen kann zum Leben, trotz seiner vordergründigen Sinnlosigkeit. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Gott stellt sich am Karfreitag auf die Seite des Menschen. Sein eigener Sohn erleidet die bedrohlichsten Abgründe des Lebens. Seither ist das Kreuz ein Zeichen der Hoffnung - Gott weiß, wie uns zumute ist, wenn wir zu zerbrechen drohen.

Bibelstelle
Lesen Sie zur Vertiefung Markus 14,1-15,47.

Zum Nachdenken
Kennen Sie die Erfahrung, von allen verlassen zu sein?
Hat Ihnen der Glaube Kraft gegeben?
Wer oder was hat Ihnen geholfen, im Leid zu bestehen?


 


















   
   
   

design & konzept by i:lab

Bischöfliches Seelsorgeamt der Diözese Gurk, Referat für Liturgie und Bibel

Tarviser Straße 30, 9020 Klagenfurt, tel: 0 463 / 58 77 - 21 22, email: info@bibelausstellung.at


www.kath-kirche-kaernten.at