WegWorte

Ich sehe das Elend und höre die Klage / Wegworte 02

Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis.
(Deuteronomium 26,5-7)



Matej Metlikoviè;
Der brennende Dornbusch, Laibach 1996
Das zweite von zwölf Bildern des "Biblischen Zyklus"

Das Bild stellt den brennenden Dornbusch dar. Gott trägt Mose auf, sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägypten herauszuführen. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird wie von selbst auf den ruhenden Pol in der Mitte des Bildes gelenkt. Das lichte Gelb verweist auf Gott, die Sonne der Gerechtigkeit.


Glaubensbekenntnisse bringen die wesentlichen Inhalte einer Religion auf den Punkt. Im Zentrum steht die Frage, wer Gott ist und wie er sich den Menschen mitgeteilt hat.

Eines der ersten Glaubensbekenntnisse der Bibel erzählt von einem Heimatlosen. Er kommt als Fremder nach Ägypten. Damals fanden hier viele Menschen, die ihre Heimat aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen verlassen hatten, Zuflucht. Dort wird der Fremde zu einem großen Volk. Seine Nachkommen werden zu harter Sklavenarbeit gezwungen und stöhnen unter dem Joch der Unterdrückung.

Seltsam. Bisher war in diesem Glaubensbekenntnis von Gott noch keine Rede. Die Menschen schlittern immer tiefer in die Abhängigkeit. Schließlich können sie sich selbst nicht mehr helfen. Der erste Ausdruck ihres Glaubens ist der Aufschrei zu Gott.

Die Grundlage des Glaubensbekenntnisses ist demnach das Leben der Menschen. Sklaven ohne besondere Bildung haben als erste erfahren: Gott ist einer, der das Elend sieht und die Klage hört. Sein Name ist "Ich-bin-da". Er steht auf der Seite jener, die sich selbst nicht mehr helfen können.

Am Anfang ist der Schrei nach Gott. Er ist bereits Ausdruck eines tiefen Glaubens. Der leidende Mensch rechnet damit, dass jemand da ist, der ihn hört und sein Unglück sieht.

Wer zu glauben beginnt, fängt auch an zu beten. Er vertraut darauf, dass sein Gebet nicht ungehört verhallt. Er wendet sich Gott zu und spricht ihn als DU an. Er fordert ihn heraus, sein Unheil zu wenden und ihn von der drückenden Last zu befreien.

Bibelstelle
Lesen Sie zur Vertiefung Exodus 2,23-4,17.

Zum Nachdenken
Beten heißt, mit Gott im Gespräch zu sein.
In welchen Situationen wenden Sie sich an Gott?
Gab es in Ihrem Leben Augenblicke, in denen Sie Gott aus tiefster Seele um etwas gebeten oder ihm gedankt haben?
Haben Sie schon die Erfahrung gemacht, dass Ihr Gebet erhört worden ist?




 


















   
   
   

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