WegWorte

Wer könnte bestehen? / Wegworte 07

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen! Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.
(Psalm 130,1-4)



Matej Metlikoviè;
De profundis, Laibach 1996
Das siebente von zwölf Bildern des "Biblischen Zyklus"

Das Bild lädt ein, dem Phänomen der Schuld nachzugehen. Das Gesicht ist geprägt von schwarzer und roter Farbe - beide symbolisieren die Sünde. Sie zieht den Menschen wie ein Sog nach unten. Die Welt wird buchstäblich auf den Kopf gestellt. Die gelbe Farbe im oberen Bereich des Bildes deutet die Perspektive der Vergebung an.


Warum vergiftet der Mensch manchmal gerade das Verhältnis zu jenen, die er am meisten liebt? Warum zerstört er oft sogar sein eigenes Leben? Kann er etwa nicht anders? Ist er das Produkt seiner Erziehung? Oder etwa der Gene? Manchmal ist die Versuchung groß, das Versagen mit diesen und anderen Gegebenheiten zu rechtfertigen. Das Wort Schuld verschwindet heimlich aus dem Wortschatz. Mit ihr verabschiedet sich aber auch das Wort Vergebung. Wer sich damit begnügt, zu sagen, dass er eben nicht aus seiner Haut heraus kann, darf höchstens damit rechnen, dass man ihn akzeptiert wie er ist. Ein wirklicher Neubeginn ist nicht möglich. Man bleibt ein Gefangener seiner selbst.

Der Mensch ist gewohnt, in seinem Leben vor anderen bestehen zu müssen. Umso unangenehmer ist die Erfahrung, schuldig geworden zu sein. Es tut weh, nicht mehr bestehen zu können, weil man den Boden unter den Füßen verloren hat. Wer ist schon gerne auf andere angewiesen? Die Schuld verweist uns auf den Mitmenschen. Es liegt an ihm, uns die Hand zu reichen, um wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Die Schuld vor sich und dem Mitmenschen einzugestehen, sich in die Hände des anderen zu begeben, das Wort der Vergebung erhoffen zu müssen, ist bestimmt nicht leicht. Umso befreiender aber ist der Augenblick der Versöhnung, in dem der bleierne Mantel der Schuld von uns genommen wird und das Leben wieder ja zu uns sagt.

Wer könnte wohl vor dem Angesicht Gottes bestehen? Die Bibel erzählt von einem Gott, der langmütig und gütig ist. Im Vertrauen darauf schildert sie die Schicksale von Menschen und Völkern, ohne etwas zu beschönigen. Manche dieser Texte erregen sogar unseren Anstoß. In ihnen verbirgt sich jedoch die gute Nachricht: Gott lässt uns trotzdem nicht im Stich.

Bibelstelle
Lesen und beten Sie zur Vertiefung die Psalmen 51 und 130.

Zum Nachdenken
Welchen Stellenwert hat die Frage von Schuld und Vergebung in Ihrem Leben?
Gibt es für Sie zur Zeit einen Grund, jemanden um Vergebung zu bitten und neu zu beginnen?
Können Sie jemandem vergeben?
Können Sie sich selbst vergeben?


 


















   
   
   

design & konzept by i:lab

Bischöfliches Seelsorgeamt der Diözese Gurk, Referat für Liturgie und Bibel

Tarviser Straße 30, 9020 Klagenfurt, tel: 0 463 / 58 77 - 21 22, email: info@bibelausstellung.at


www.kath-kirche-kaernten.at