WegWorte

Neubeginn / Wegworte 08

Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war - Spruch des Herrn. Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen - Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.
(Jeremia 31,31-34)



Matej Metlikoviè;
Die Vision des Propheten Jeremia, Laibach 1996
Das achte von zwölf Bildern des "Biblischen Zyklus"

Das Bild stellt den Propheten Jeremia dar. Die offenen, nach oben ausgestreckten Arme deuten an, dass eine lichtvolle Zukunft bevorsteht. Die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch wird erneuert und vertieft.


Im 6. Jahrhundert vor Christus findet sich der Mensch der Bibel in einer scheinbar ausweglosen Situation wieder. Die Gemeinschaft mit Gott, auch Bund genannt, ist zerbrochen. Das Volk hat sich von Gott entfernt. Die Beziehung zu ihm wurde kaum noch gepflegt, bis er den Menschen schließlich fremd geworden war. Nun suchen sie in Scharen bei anderen Gottheiten Zuflucht und Hilfe. Die Situation erinnert an das Scheitern einer Ehe. Nicht zufällig werden die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau wie auch das Verhältnis der Menschen zu Gott mit demselben Wort bezeichnet - Bund.

Was nun? Gott, also der Beleidigte und Geschmähte, wartet nicht darauf, dass man ihn um Vergebung bittet. Er setzt einen neuen Anfang: Gratis, also ohne Bedingungen und unverdient, öffnet er sein Herz. Das nennt man Gnade. "Ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zornes", heißt es beim Propheten Hosea.

Der Glaube ist mehr als ein Regelwerk von Wahrheiten, Geboten und Verboten. Er ist eine lebendige Beziehung zwischen Gott und Mensch. Je tiefer einander Mann und Frau erkennen, desto deutlicher wird ihnen bewusst, dass sie einander immer mehr zum Geheimnis werden. So ist es auch mit dem Verhältnis des Menschen zu Gott. Jede Verbindung lebt vom Geschenk der Vergebung und Versöhnung. Vergeben ja, vergessen nicht, heißt ein geflügeltes Wort. Die Bibel sagt sogar vom allwissenden Gott, dass er vergisst. Er denkt nicht an die vielen unheilvollen Stunden, wenn er den Menschen vor Augen hat. Er traut ihm das Gute zu und lässt ihn neu beginnen.

Bibelstelle
Lesen Sie zur Vertiefung Ezechiel 36,16-38.

Zum Nachdenken
Wie steht es mit Ihrer Beziehung zu Gott?
Welche Vorstellungen von Gott haben sich bei Ihnen am deutlichsten eingeprägt?
Was tragen Sie seit der Kindheit in sich, wenn Sie an Gott denken?
Welche Erfahrungen sind später hinzugekommen?



 


















   
   
   

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